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Pressestimmen...


BNN 2006-07-08: Unbeschwertes Spiel zur zweiten Halbzeit

Uni-Big-Band bot im Studentenhaus das Programm 'Brazilian Brass Machine'

Manchmal kommt eben alles anders als gedacht. Weder Deutschland tritt als Weltmeister der Herzen im Endspiel an, noch die selbst ernannten Fußballgötter Brasiliens. Wenn man wie die Uni-Big-Band ein Konzept um das Wunschfinale geschustert hat, ist das doppelt hart. Das Programm 'Brazilien Brass Machine' unter der Leitung von Günter Hellstern findet trotzdem statt - 'nur die gelben und weißen Trikots lasse mer halt weg'. Im Festsaal des Stundentenhauses lässt man sich die Stimmung nicht so schnell verhageln. Dazu trägt die Titelauswahl maßgeblich bei. Neben klassischem Swing (der allerdings erst nach gut 90 Minuten, also quasi in der Verlängerung kommt) belegt Latin Jazz unterschiedlichster Couleur den Spitzenplatz der Tabelle. Bossa Nova, Samba, Songs voller Herzschmerz, dann wieder südamerikanische Lebensfreude pur. Punkten kann hier vor allem Sängerin Marianne Martin. Mit einer kräftigen Mittellage gesegnet, wirbelt sie selbstsicher durch die Soundlandschaft, scattet hier und da ein wenig und hat immer ein Lächeln als i-Tüpfelchen zu verschenken. Diese Leichtigkeit geht allerdings nicht sofort auf die Instrumentalisten über. Obwohl sie die Arrangements zweifellos aus dem Effeff beherrschen und auch den Bläsersatz sauber auf den Punkt bringen, will der Funke lange Zeit nicht überspringen. Das Spiel wirkt vor allem in der ersten Programmhälfte zu glatt und zu sehr fokusiert. So hätte der 'Blues in Latin' (Arrangement: Peter Herbolzheimer) sicher eine schärfere rhythmische Akzentuierung vertragen und auch die an sich beseelte Eigenkomposition 'Beauty of ancient times' verliert seltsamerweise gegen Ende an Durchschlagskraft. Da hilft auch das nahezu stoische Dagegenhalten der Rhythmussektion (Schlagzeug und Percussion) trotz durchweg fantasievoller Einwürfe nicht wirklich weiter. Nach der Pause fängt sich die Big Band und lässt die zuvor vermisste Unbeschwertheit endlich einziehen. Und sieh da, die Musiker grooven auf der Bühne zu flotten Rhythmen und originellen Soli, das Publikum lässt sich mitreißen, sodass im Spiel Deutschland-Brasilien am Ende alle Gewinner sind, die nach dem Konzert gut gelaunt das Spielfeld oder die Tribüne verlassen.

(BNN: er)

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